Osterfestival Imago Dei

Opfer

Kommunikation mit der Welt der Götter aufzubauen ist Funktion des Opferns. Das Opfer gehört zu den elementaren und zugleich archaischen Phänomenen der menschlichen Kultur, durch die der Mensch seit jeher versucht, durch eine Gabe, einen Verzicht die Einwirkung der Götter auf die menschliche Lebenswelt zu stimulieren bzw. zu regulieren – es ist die „heilige Handlung“ schlechthin.

Gesamtes Vorwort von Jo Aichinger (Künstlerischer Leiter) lesen

Aus einer kleinen, fein sortierten Konzertreihe, die erstmals 1999 in der säkularisierten Minoritenkirche Krems stattfand und bestimmte Themen des Menschseins etablierte, entwickelte sich eine groß angelegte, über mehrere Wochen vor Ostern stattfindende Veranstaltungsreihe für spirituelle Musik aus verschiedenen Weltkulturen. Sie führt quer durch die Musikgeschichte, ergänzt durch Filme, Lesungen und Podiumsgespräche, generationenübergreifend durch Mitwirkung junger, am Beginn stehender, aber auch etablierte KünstlerInnen, PhilosophInnen und LiteratInnen. 

IMAGO DEI bezeichnet die Ebenbildlichkeit Gottes, ein Begriff, der in der Theologie vielfältig gedeutet wird und nach wie vor zu Kontroversen führt. Bereits das frühe Christentum begründet die besondere Stellung und Würde des Menschen in der Schöpfung mit seiner Gottebenbildlichkeit nach Gen 1,27: „Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau.“ Darauf bezieht sich eine Richtung der Theologie noch heute, wenn sie das Sein des Menschen als göttliches Ebenbild abhängig von der Qualität der Beziehungen macht, die zu führen Auftrag des Menschen ist und die er frei gestalten darf, Beziehungen zwischen Mann und Frau, Eltern und Kind, die zum Nächsten. Andere TheologInnen hingegen stellen die These auf, dass Gottebenbildlichkeit die Gleichartigkeit der Menschen mit Gott hinsichtlich ihrer Kommunikations- und Handlungsfähigkeit bezeichne. Wir Menschen haben also alle Freiheit in der Gestaltung unserer Beziehungen (zu Gott und zu den Anderen). 

Kommunikation mit der Welt der Götter aufzubauen ist Funktion des Opferns. Das Opfer gehört zu den elementaren und zugleich archaischen Phänomenen der menschlichen Kultur, durch die der Mensch seit jeher versucht, durch eine Gabe, einen Verzicht die Einwirkung der Götter auf die menschliche Lebenswelt zu stimulieren bzw. zu regulieren – es ist die „heilige Handlung“ schlechthin. Das Ritual des Opferns konstituiert zudem die Gemeinschaft aller Zusammengehörigen, eine Gesellschaft, deren Basis das Opfermahl ist. Im Christentum jedoch bildet der Kreuzestod Christi den Höhepunkt, indem Gott sich selbst opfert, sein Leben hingibt, das vollkommene Opfer darbringt. Das Lamm Gottes versöhnt die Menschen mit Gott. Dieses Sacrificium ist für die säkulare Gesellschaft unserer Zeit unverständlich geworden, denn ein Wesenszug der Moderne ist, Glaubensfragen strikt von der rationalen Erkenntnisfähigkeit zu trennen. Diese Zurückdrängung des Heiligen führt zudem zu einer Profanisierung des Begriffs Opfer: Jeder religiösen oder kultischen Bedeutung entkleidet, stellt sich die Frage nach dem Sinn eines Opfers in einer Wohlstandsgesellschaft, in der das individuelle Streben nach Glück und wirtschaftlichem Erfolg zur obersten Maxime geworden sind. Ideale, für die es sich lohnt, sich aufzuopfern, sind zu abstrakt, um angestrebt zu werden. Die Realität führt im Gegenteil dazu, dass sich die WohlstandsverliererInnen permanent selbst als Opfer fühlen – als Opfer der Umstände, der Politik, der Wirtschaft – oder sogar tatsächlich Opfer sind. Die fehlenden Möglichkeiten, Einfluss zu nehmen, der Verlust der Kontrolle über die eigenen Möglichkeiten, also Machtlosigkeit, all dies bewirkt ein Dilemma zwischen Wunsch und Wirklichkeit, das nicht nur politische Konsequenzen hat, sondern auch die Moral einer Gesellschaft negativ beeinflusst. Weil es keinen Sinn hat, selbst Opfer zu sein, hat es Sinn, Opfer zu finden. Der Sündenbock aus archaischen Zeiten feiert seine Auferstehung in metaphorischer Abscheulichkeit. Derzeit haben diese Rolle Flüchtlinge bzw. MigrantInnen übernommen, die am Wohlstand unserer westlichen Gesellschaft anscheinend partizipieren wollen. Sie sind Opfer von Krieg und Verfolgung und den Spätfolgen des Kolonialismus. Ja, sogar die verantwortlichen PolitikerInnen könnten als Opfer betrachtet werden, nämlich der Umstände, wirtschaftlicher Interessen, politischen Kalküls. 

Wenn alle Agierende aber Opfer sind, wer ist dann TäterIn? In der Beantwortung dieser Frage gilt es, sich der zweiten Bedeutung des Begriffs „Opfer“ bewusst zu werden: dem Opfer als Gabe, als bewusstem Verzicht, als Hingabe im wahrsten Sinn des Wortes. Nicht damit gemeint ist das Phänomen einer modischen Askese, die nur den Sinn hat, sich selbst für die Wirtschaft zu optimieren. Nur wer bereit ist, durch Verzicht auf sinnliche Genüsse, durch Selbstzucht des eigenen Körpers ständige Einsatzbereitschaft zu demonstrieren, scheint in unserer Gesellschaft Erfolg haben zu können. Diese Lust-Vermeidung, die zu einer Perfektionierung des Ichs führen soll, steht aber in deutlichem Widerspruch zur Askese in philosophischem Sinn: Der Mensch ist unvollkommen. Er kann allerdings freiwillig durch Übung – die eigentliche Bedeutung des Worts „Askese“ – Selbstkontrolle und Tugenden erlangen, wozu auch die Gerechtigkeit als wesentliches Merkmal der christlichen Lehre gehört, welche die Barmherzigkeit mit einschließt. „Das Werk der Gerechtigkeit wird der Friede sein, der Ertrag der Gerechtigkeit sind Ruhe und Sicherheit für immer.“ (Jesaja 32, 17) 

Sich einzusetzen gegen Ungerechtigkeit und Not, ist daher eine Forderung an die Gläubigen in der christlichen Fastenzeit. Durch Verzicht und Hingabe werden Andacht (anderes Denken) und innere Freiheit (durch Loslassen von Abhängigkeiten) geübt. Die österliche Bußzeit dient als Vorbereitung auf die Passion Christi, auf das wichtigste Fest des Christentums, Ostern, an dem des Sacrificiums Jesu gedacht wird, also des vollkommenen Opfers.

20 Jahre IMAGO DEI münden in der vielschichtigen Thematik des Opfers vom Sacrificium bis zum Opfermahl: mit Musik und Ritualen aus dem arabischen Raum (Ensemble Mazaher, singende Berberfrauen Roudaniates), vom östlichen Rand Europas (georgischer Männerchor Didgori gemeinsam mit dem Literaten Bodo Hell), einem Opfermahl (Paul Renner, Starköche & Ensemble NAMES), mit Klängen der osteuropäischen Moderne und heutigen Klangsetzern über Zeiten von Kriegen, totalitären Systemen und kulturellen Umwälzungen (Strawinskis „Frühlingsopfer“ mit dem Klavierduo Ferhan und Ferzan Önder, Kammermusik von Schnittke und Weinberg mit Gidon Kremer, Oleg Maisenberg und SolistInnen der Kremerata Baltica sowie die Wachauer Pestbläser mit dem Literaten Josef Winkler), mit Trauer- und Auferstehungsmusiken von Mozart bis Messiaen (Pannonisches Blasorchester) und mit bedeutenden Werken geistlicher Musik aus dem abendländischen Barock (Monteverdis „Marienvesper“ mit dem Chor Ad Libitum & dem Ensemble Barucco, protestantische Passions- und Auferstehungskantaten und Bachs „Musikalisches Opfer“ mit dem Ensemble la dolcezza). 

Herzlich willkommen!
Jo Aichinger 

Osterfestival Imago Dei 2019

Eröffnung Klangkunst: Silent Music

Klangkunst von Robin Minard

EINTRITT FREI

Klangkunst Osterfestival Imago Dei Krems Klangraum Krems Kapitelsaal Klangraum Krems Kapitelsaal

Archiviert

Chor Ad Libitum und Ensemble Barucco

MARIENVESPER

• Prolog von Leo Zogmayer über den Begriff Imago Dei
• Musik von Monteverdi

Osterfestival Imago Dei Krems Klangraum Krems Minoritenkirche Klangraum Krems Minoritenkirche

Bodo Hell & Ensemble Didgori

OFFERTORIUM, OPFER & DAS GEORGISCHE WUNDER

Georgische Gesänge und Sprechperformance

Osterfestival Imago Dei Krems Klangraum Krems Minoritenkirche Klangraum Krems Minoritenkirche

ABGESAGT: Lollo

Eine Klanggeschichte zum Mitgestalten für Kinder nach einem Buch von Mira Lobe

Aufgrund einer Erkrankung im Ensemble muss die Vorstellung „Lollo“ leider abgesagt werden.

Osterfestival Imago Dei Krems Klangraum Krems Minoritenkirche Klangraum Krems Minoritenkirche

Abgesagt

Roudaniates

DIE SINGENDEN BERBERFRAUEN

• Podiumsgespäch mit Seyran Ateş und Gudrun Harrer
• Traditionelle Gesänge aus Südostmarokko

Osterfestival Imago Dei Krems Klangraum Krems Minoritenkirche Klangraum Krems Minoritenkirche

Ensemble Mazaher

ÄGYPTISCHES OPFER- UND HEILSRITUAL

Musik des Al-Zar-Kults aus Ägypten

Osterfestival Imago Dei Krems Klangraum Krems Minoritenkirche Klangraum Krems Minoritenkirche

Josef Winkler & Die Wachauer Pestbläser

"LASS DICH HEIMGEIGEN, VATER"

Musik zu Texten aus dem gleichnamigen Roman von Josef Winkler

Osterfestival Imago Dei Krems Klangraum Krems Minoritenkirche Klangraum Krems Minoritenkirche

Ferhan & Ferzan Önder

FRÜHLINGSOPFER

Musik für zwei Klaviere von Gershwin, Say, Bach, Stravinsky

Osterfestival Imago Dei Krems Klangraum Krems Minoritenkirche Klangraum Krems Minoritenkirche

Pannonisches Blasorchester

IN ERWARTUNG DER AUFERSTEHUNG

Werke von Mozart, Wagner, Fučík, Dvořák, und Messiaen

Osterfestival Imago Dei Krems Klangraum Krems Minoritenkirche Klangraum Krems Minoritenkirche

Ensemble la dolcezza & Hanna Zumsande

SO BIST DU DOCH MEIN LEBEN

Musik von Buxtehude, Bach, Hammerschmidt und Biber

Osterfestival Imago Dei Krems Klangraum Krems Minoritenkirche Klangraum Krems Minoritenkirche

Es wurden keine passenden Termine gefunden.

Vergangene Veranstaltungen 2019

Chor Ad Libitum und Ensemble Barucco

MARIENVESPER

• Prolog von Leo Zogmayer über den Begriff Imago Dei
• Musik von Monteverdi

Osterfestival Imago Dei Krems Klangraum Krems Minoritenkirche Klangraum Krems Minoritenkirche

Bodo Hell & Ensemble Didgori

OFFERTORIUM, OPFER & DAS GEORGISCHE WUNDER

Georgische Gesänge und Sprechperformance

Osterfestival Imago Dei Krems Klangraum Krems Minoritenkirche Klangraum Krems Minoritenkirche

ABGESAGT: Lollo

Eine Klanggeschichte zum Mitgestalten für Kinder nach einem Buch von Mira Lobe

Aufgrund einer Erkrankung im Ensemble muss die Vorstellung „Lollo“ leider abgesagt werden.

Osterfestival Imago Dei Krems Klangraum Krems Minoritenkirche Klangraum Krems Minoritenkirche

Abgesagt

Roudaniates

DIE SINGENDEN BERBERFRAUEN

• Podiumsgespäch mit Seyran Ateş und Gudrun Harrer
• Traditionelle Gesänge aus Südostmarokko

Osterfestival Imago Dei Krems Klangraum Krems Minoritenkirche Klangraum Krems Minoritenkirche

Ensemble Mazaher

ÄGYPTISCHES OPFER- UND HEILSRITUAL

Musik des Al-Zar-Kults aus Ägypten

Osterfestival Imago Dei Krems Klangraum Krems Minoritenkirche Klangraum Krems Minoritenkirche

Josef Winkler & Die Wachauer Pestbläser

"LASS DICH HEIMGEIGEN, VATER"

Musik zu Texten aus dem gleichnamigen Roman von Josef Winkler

Osterfestival Imago Dei Krems Klangraum Krems Minoritenkirche Klangraum Krems Minoritenkirche

Ferhan & Ferzan Önder

FRÜHLINGSOPFER

Musik für zwei Klaviere von Gershwin, Say, Bach, Stravinsky

Osterfestival Imago Dei Krems Klangraum Krems Minoritenkirche Klangraum Krems Minoritenkirche

Pannonisches Blasorchester

IN ERWARTUNG DER AUFERSTEHUNG

Werke von Mozart, Wagner, Fučík, Dvořák, und Messiaen

Osterfestival Imago Dei Krems Klangraum Krems Minoritenkirche Klangraum Krems Minoritenkirche

Ensemble la dolcezza & Hanna Zumsande

SO BIST DU DOCH MEIN LEBEN

Musik von Buxtehude, Bach, Hammerschmidt und Biber

Osterfestival Imago Dei Krems Klangraum Krems Minoritenkirche Klangraum Krems Minoritenkirche

Es wurden keine passenden Termine gefunden.

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